Archiv für April 2010

MAYDAY

Unser Flyer zum Euromayday Ruhr in Dortmund:

Wir reden vom Kommunismus.
Und wissen noch nicht genau wie.
Der Kommunismus ist keine Offenbarung und keine Verkündigung, auch wenn er die wahre Antwort auf das falsche Ganze des Kapitalismus darstellen soll. Er ist mit dem Ende der Gesellschaftsformation Staatssozialismus nicht zu Ende gegangen, das zeigen die vielfältigen sozialen Kämpfe weltweit, als Antworten auf die Zumutungen der kapitalistischen Krise und der kapitalistischen Normalität. Er ist notwendiger denn je. Aber: der Kommunismus ist nicht sozialistische Bürgerlichkeit, wenn er auch bürgerlich-aufklärerische Ideale von Freiheit, Gleichheit und Solidarität teilt – und sie ernst nimmt. „In der Demokratie sind die Ideale Freiheit und Gleichheit lediglich in der abgespaltenen Gestalt des Rechts und des Staates repräsentiert. Der Kommunismus stellt dagegen ihre sinnliche Realität dar“ (Jacques Ranciere). Darüber hinaus soll der Kommunismus aber nicht nur die persönlichen Herrschaftsverhältnisse abschaffen, sondern den ‚stummen Zwang der ökonomischen Verhältnisse’. Damit greift er über die Formen der Produktion, der Verteilung, der Politik, der Beteiligung und der Lebensweise der bürgerlichen Gesellschaft hinaus. Die politische Ökonomie des Kapitals soll abgeschafft und ersetzt werden durch die politische Ökonomie der Arbeit, die alle Lasten auf alle verteilt und es ermöglicht, dass alle gleichermaßen ohne Sorge ums tägliche Überleben, ohne ständig kreativ und engagiert die eigene Verwertung planen zu müssen, die gesellschaftliche Freiheit genießen können, gemeinsam leben und arbeiten, sprich das Gemeinsame der freien Assoziation erzeugen können. Der Reichtum, welchen die kapitalistische Produktionsweise hervorgebracht hat, beruht auf Ausbeutung und Naturzerstörung. Der Kapitalismus zerstört seine eigenen Vorraussetzungen. Er bringt Arbeitslosigkeit und Schufterei, Luxus und Elend, Überfluss und Hunger, Freiheit und Folter, Urbanität und Vertreibung gleichzeitig hervor. Diese Negativseiten sind keine unerwünschten Nebenwirkungen und verschwinden nicht durch stärkere staatliche Regulierung, wie viele Linke glauben. Zeitweilige Verbesserungen verändern nicht das Ergebnis unter dem Strich. Die Gesellschaft regrediert zum Naturzustand, gehorcht dem scheinbaren Naturgesetz der Verwertung des Werts. Die Individuen verfallen in die Unmündigkeit sich diesem ‚Zwang’ möglichst perfekt zu unterwerfen und erhalten mit der Anstrengung jedes Einzelnen die Normalität von Krise, Arbeitslosigkeit, Hunger und Totschlag aufrecht. Und die Normalität des kapitalistischen Alltags erst: Ich lebe mein Leben nach dem Verwertungszwang des Kapitals. Meine Lebenszeit ist Arbeitszeit. Nur wenn sich meine Arbeit für das Kapital rentiert, kann ich mit Lohn rechnen. Nur wo Profit abfällt, wird auch produziert. Alles, was mein Leben absichert, Gesundheits-, Verkehrs-, Ausbildungsinstitutionen wird den Erfordernissen der Kapitalverwertung unterworfen.
Und schon deswegen muss es grundlegend anders werden. Die überflüssige Zeit muss Reichtum an Zeit sein. In etwa Zeit für Bildung und Kinder, Gemeinsamkeit und Individualität, Engagement und Faulheit. Alles das, was folgt, wenn der Kampf ums Überleben, der Terror der Konkurrenz zu Ende ist. Familie wird mehr sein als Institution von Absicherung und Reproduktion, Kinder weder Wettbewerbsnachteil noch Resultat von Sinnsuche und Selbstverwirklichung, die Natur wird nicht mehr Objekt der Separation und Ausplünderung, sondern der Reichtum und Besitz aller Generationen werden.
Der Kommunismus ist der Name für diese Emanzipation. Der Kommunismus emanzipiert sich von der Diskreditierung durch die gescheiterten sozialistischen Versuche. Er muss der schärfste Kritiker der Zustände sein, in deren Namen Millionen starben und ermordet wurden, um ihr Leben und ihre Freiheit gebracht wurden. Nur so ist eine bessere Zukunft möglich.
Der Kommunismus ist die grundsätzliche Kritik der kapitalistischen Verhältnisse und der Wunsch nach der, nennen wir es so, kommunistischen Zukunft. Darüber denken wir nach, denn ein Übergang wird nicht automatisch sein und vergangene Fehler dürfen nicht wiederholt werden. Also: wie buchstabiert man c-o-m-m-u-n-i-s-m? Was ist eine Gesellschaft ohne Staat, Kapital und Nation. Utopie im schlechtesten Sinne? Oder gibt es ein Bilderverbot? Das andere wollen heißt auch, die Bedingungen der Möglichkeit der Transformation zu kennen – erst recht nach dem Scheitern des realexistierenden Sozialismus. Also keine Reetablierung von Vergangenem und keine Einhegung des subversiven Begehrens. Engels wusste, dass sich die Umrisse der freien Gesellschaft erst in den Kämpfen um diese herausbilden. Und Rosa Luxemburg sagte, dass die Revolution nicht gemacht, sondern nur vorbereitet werden könne. Also reden wir einfach vom Einfachen, das schwer zu machen ist, vom Gemeinsamen, das stets noch einzulösen ist.
Wir reden vom Kommunismus.

„Und aus niemals wird: heute noch“ (Brecht)

sdc 04/10

frühlings soiree – neuer Veranstaltungsort

Das BiBaBuZe hat im Moment alle Veranstaltungen in ihren Räumen gecancelt.

Die Veranstaltung am 22. April zur Sozialfaschismusthese findet nun, wie geplant um 19.30 Uhr, in der Universität Düsseldorf, Gebäude 23.21. Etage 02. Raum 52 statt.

Und weil das so schwer zu finden ist, bieten wir euch einen Abholservice von der Straßenbahnstation Universität Ost um 19.15 (Ankunftszeit der 707).

Der Ort für die Veranstaltung am 20. Mai zu Kunst und Ästhetik wird noch bekannt gegeben!

sdc goes antifa?!

Ist das noch communistisch??
Idee des Kommunismus. Philosophie und Kunst.
Konferenz. Performance. Installation. Film. Musik.
Vom 25. – 27. Juni 2010 an der Volksbühne Berlin
u.a mit Alain Badiou, Slavoj Žižek, Susan Buck-Morss, Cécile Winter, Gáspár M. Tamás

leseempfehlung

Zur Idiotie des Landlebens hat einer der einflussreicheren ideologischen Ziehväter des ‚Salon‘ schon einiges gesagt, dennoch lohnt ein Blick in das neue Dummy Magazin zum Thema Provinz. Zur Idiotie des Stadtlebens dagegen fehlen noch einige schräge Zwischentöne. Wohin das gehen könnte zeigt Leo Fischer in der neuen Titanic zum allseits präsenten Thema: Das Berghain.

Als Leseempfehlung mal wieder der hier:

.. und das Profil der Fundus Reihe von Philo Fine Arts nimmt langsam Form an. Nach Clement Greenberg jetzt auch Rosalind Krauss!

P.S. Vormerken: Celebrate*Liberation*Reeducation am May 8th im AZ Mülheim mit dem Intro der neuen Partyreihe Tanzflur